Wie funktioniert ein Terminal

Rolf/Mr. Brouwer, was hat Sie dazu bewogen, die Rolle des Geschäftsführers bei German LNG Terminal zu übernehmen? Was betrachten Sie als Ihre persönliche berufliche Herausforderung in Brunsbüttel?

Das LNG-Terminal in Brunsbüttel ist ein ehrgeiziges, zukunftsweisendes und vor allem essenzielles Infrastrukturprojekt, auch von strategischer Bedeutung: denn Gas/LNG spielt, so die Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums, eine wichtige Rolle bei der Energiewende hin zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung. Es ist fantastisch, Teil eines Projekts zu sein, das nicht nur die Energiewende vorantreibt, sondern auch die Entwicklung von Unternehmen in der Region Brunsbüttel und Dithmarschen unterstützt. Ich freue mich, meine berufliche Erfahrung und mein Fachwissen sowohl aus der Leitung des niederländischen LNG-Importterminals im Hafen von Rotterdam (GATE) als auch aus der Leitung internationaler Gasspeicherprojekte einbringen zu können. Ebenso bringt das Projektteam eine Fülle einschlägiger Erfahrungen bei German LNG Terminal ein, so dass wir optimal aufgestellt sind, das Projekt von Anfang bis Ende zu organisieren.

Da Sie zuvor Geschäftsführer des GATE-Terminals in Rotterdam waren, kennen Sie den Betrieb eines LNG-Terminals sehr gut. Wie sieht ein normaler Tag an einem LNG-Terminal aus? Was würde man beobachten können?

Das Herzstück des Terminalbetriebs ist der Bereich „Operations“, in dem Männer und Frauen in 8-Stunden-Schichten arbeiten und sich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche um den Betrieb kümmern. Sie sind insbesondere verantwortlich für das Entladen von LNG-Tankern, gemeinsam mit dem Personal des ankommenden Schiffs, das Beladen von Tankkraftwagen und Eisenbahnkesselwagen sowie für die Einspeisung von Gas in die Pipeline, die das Terminal mit dem Gasnetz in Deutschland verbindet.

Der Bereich“Operations“ wird direkt von der Wartungsmannschaft unterstützt, die dafür sorgt, dass alle Systeme sicher und effizient funktionieren. Im Laufe des Tages warten sie die Anlagen und kontrollieren zudem die Subunternehmer, die Spezialaufgaben erledigen.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Tätigkeitsfelder, welche die Gesamtfunktion des Terminals unterstützen: die Personalabteilung, einschließlich Aus- und Weiterbildung, die Sicherheitsabteilung, die technische Abteilung zur Konzeption und Planung der Wartung, die kaufmännische Abteilung für die Kundenbetreuung und die Finanzabteilung.

Alle Arbeitsabläufe, Routinen, Prozesse und Zuständigkeiten sind in einem ständig aktualisierten Terminal-Management-Handbuch beschrieben und sind Teil des Sicherheitsmanagementsystems (SMS) des Terminals.

Das gesamte Personal wird kontinuierlich in der Handhabung von LNG und Erdgas sowie allen damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen weitergebildet. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lage sind, die neueste Sicherheitstechnik und -ausrüstung zu nutzen.

Insgesamt wird das Terminal rund 70 Personen in verschiedenen Funktionen beschäftigen.

Was passiert, wenn ein LNG-Tanker am Terminal ankommt? Wie lange dauert die Entladung?

Große und kleine LNG-Tanker können an speziellen Anlegestellen, so genannten Jetties, am Terminal in Brunsbüttel anlegen. An Jetty 1 werden LNG-Tanker mit einer Gesamtlänge bis zu 345 Metern und einer Kapazität von ca. 267 000 m³ LNG, sogenannte Qmax-Tanker, abgefertigt werden können. Am zweiten Anleger werden kleinere LNG-Barges und LNG-Bunkerschiffe mit einer Gesamtlänge bis zu 180 Metern abgefertigt werden können.

Unabhängig von der Größe müssen alle LNG-Tanker ihre Ankunft am Terminal anmelden, ihre Ladepapiere vorlegen und eine voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) angeben. Diese relevanten Dokumente werden im Voraus zwischen dem Terminal und dem Shipper ausgetauscht.

Dies ist notwendig, damit sich das Betriebspersonal des Terminals ausreichend auf das Anlegen eines LNG-Tankers vorbereiten kann. Das LNG wird entladen und gelangt über Pipelines zu den Tanks, wo es zwischengelagert wird.

Das Terminal wird eine maximale Entladerate von 14 000 m³/h LNG-Transfer zu unseren LNG-Lagertanks an Land haben. Das bedeutet: Ein großes Schiff könnte in ca. 20 Stunden entladen werden. Durch Aktivitäten wie Anlegen, Sicherheitschecks, Papierarbeiten, Schlepperhilfe, Hochfahren des Entladevorgangs usw. wird die gesamte Liegezeit für einen großen LNG-Tanker jedoch auf eine Dauer von ca. 30 Stunden ansteigen. Kleinere LNG-Tanker werden entsprechend eine kürzere Liegezeit haben.

Das LNG wird per LNG-Bunkerschiff, Tankwagen oder sogar Eisenbahnkesselwagen an Tankstellen zur Versorgung von LNG-betriebenen Lastkraftwagen weiterverteilt oder die LNG-Bunkerschiffe bieten Schiff-zu-Schiff-Bunkerungen in Häfen in Deutschland und darüber hinaus an.

LNG kann auch wieder erwärmt und in das Gasnetz eingespeist werden, wo es dann als Energiequelle und zum Heizen verwendet werden kann.

Wie das Be- und Entladen der Laster ist auch das Be- und Entladen der Eisenbahnkesselwagen genau durch spezifische schriftliche Verfahren und Handbücher vorgeschrieben. Jeder Tankwagen oder Kesselwagen wird vor dem Umschlag auf dem Terminal sorgfältig kontrolliert.

Wie oft erwarten Sie, dass der LNG-Tanker am Terminal ankommt?

Das hängt davon ab, was unsere Kunden von uns erwarten. Im Allgemeinen können wir mehr als einen großen LNG-Carrier pro Woche abfertigen. Wie bereits erwähnt, wird unsere maximale Entladerate 14 000 m³/h betragen. Einschließlich des Festmachens und des notwendigen Papierkrams wird ein großer Carrier ca. 30 Stunden zum Entladen benötigen, ein kleinerer Carrier erheblich weniger Zeit. Neben dem großen LNG-Schiffen erwarten wir auch, dass kleinere Transporter ca. zweimal pro Woche ankommen, LNG-Tankwagen und Eisenbahnkesselwagen täglich.

Wie wird das LNG auf Tankwagen und Eisenbahnkesselwagen verladen? Wie viele davon werden voraussichtlich am Terminal ankommen?

Entsprechende Tankwagen sind in ganz Europa und zunehmend auch in Deutschland im Einsatz, so dass die Mitarbeiter viel Erfahrung mit der Verladung von LNG auf solche Tkw haben.

Entsprechend geschultes Personal wird daher für die Tkw-Verladung verantwortlich sein. Gemeinsam mit dem Tkw-Fahrer schließen sie die Schläuche an. Die Verladung selbst erfolgt durch das Pumpen von LNG vom Tank auf den Tankwagen: Dies ist ein vollautomatischer Prozess mit vielen Sicherheitsvorkehrungen, die in das System eingebaut sind. Der Mitarbeiter , ein so genannter „Operator“, und der Fahrer sind natürlich trotzdem immer in der Nähe der Verladestation anwesend, um den Vorgang zu überwachen. Sobald der Tankwagen beladen ist, trennen der Operator und der Tkw-Fahrer die Schläuche ab, drucken die notwendigen Papiere aus, unterzeichnen sie und führen eine letzte Sicherheitskontrolle durch, bevor der Tankwagen das Terminal verlässt. Wir werden etwa 120 Tankwagen pro Woche beladen können.

LNG, das auf der Schiene transportiert wird, hat für einige Kunden Vorteile, unter anderem eine geringere Umweltbelastung im Vergleich zum Tkw-Transport. Mit der Möglichkeit der Waggonbeladung wird das Terminal daher bereits zukunftssicher sein.

Die Beladung Kesselwagen funktioniert ähnlich wie der Ladevorgang beim Tankwagen, wobei der geschulte  Mitarbeiter während dieser Zeit von dem Kollegen der Rangierlok unterstützt werden kann. In der Anfangsphase können bis zu 150 Kesselwagen pro Woche 24/7 bei German LNG Terminal beladen werden.

LNG wird also nicht freigesetzt?

Im normalen Betrieb wird LNG – und nach der Regasifizierung Erdgas – in einem geschlossenen System am Terminal umgeschlagen, d. h. vom LNG-Tanker in die LNG-Tanks und weiter durch Transportleitungen bis zur Einspeisung in das Erdgasnetz. Oder von den LNG-Tanks zu den einzelnen Ladestationen für Tankwagen, Kesselwagen oder Bunkerschiffe. Selbst das Boil-off-Gas, das innerhalb des Terminals entsteht, wird rückverflüssigt und so dem LNG-Strom wieder zugeführt. Das Abfackeln wird nur während einer kurzen Zeit während der Inbetriebnahme des Terminals und bei unüblichen Störfällen als Notmaßnahme eingesetzt. Somit kann man mit Fug und Recht sagen, dass das German LNG Terminal ein emissionsfreies Terminal sein wird.

Und wie regasifiziert man das LNG wieder?

Wenn wir es lange genug austreten lassen würden, würde das automatisch passieren. LNG wird unter nahezu unter atmosphärischem Druck bei cryogenen Temperaturen von etwa -162 °C gelagert. Unter diesen Bedingungen ist LNG eine verdampfende Flüssigkeit, wobei es eine kontinuierliche Menge Boll-off-Gas bildet. Um diesen Prozess der Regasifizierung zu beschleunigen, benötigen wir eine gewisse Menge indirekte Wärme.

Wir haben in Brunsbüttel einen unschlagbaren Vorteil: Wir können Heizwasser aus dem nahe gelegenen Industriegebiet, dem ChemCoast Park, für ein LNG-Verdampfersystem mit Warmwasser auf der einen Seite und kaltem LNG auf der anderen Seite nutzen. Das Ergebnis ist wiedererwärmtes LNG, das nun im gasförmigen Zustand in das Gastransportnetz eingespeist werden kann.

Da wir in einem geschlossenen System arbeiten, wird kein LNG oder Gas austreten. Das Wasser, das zum Erwärmen des LNG verwendet wird, kommt nicht mit dem LNG in Kontakt und verlässt das Gelände so sauber, wie es hereinkam, allerdings erheblich kälter.  Dieses kalte Wasser kann dann als Kühlwasser an dem benachbarten Terminal, von dem wir es erhalten haben, eine perfekte Synergie erzeugen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen haben Sie am Terminal getroffen? Wie wird Ihr Personal geschützt?

Wir nehmen die Sicherheit unseres Personals, der umliegenden Gemeinden, Wohngebiete und Industrieanlagen sehr ernst. Dies ist unsere erste Priorität. Die drei Unternehmen hinter German LNG Terminal – Gasunie, Oiltanking und Vopak – verfügen über einen großen Erfahrungsschatz, wenn es darum geht, Terminals für Gas, Öl und Chemikalien nach den höchsten Sicherheitsstandards zu entwerfen, zu bauen und zu betreiben. Das LNG-Terminal in Brunsbüttel wird nach dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik gebaut und so konzipiert, dass die Auswirkungen eines Unfallszenarios auf die Umgebung minimiert werden. Dies bedeutet, dass die Konstruktion des Terminals nach dem Safety-First-Prinzip gebaut wird. Wie bei jedem Terminal werden wir bei der Entwicklung standortspezifischer Notfallpläne eng mit den Einsatzkräften Dritter, wie z. B. den Feuerwehren, zusammenarbeiten.

Unsere Operators und alle anderen Mitarbeiter werden mit allen geeigneten Schutzkleidungen und -vorrichtungen ausgestattet und regelmäßig von uns und relevanten externen Experten in Notfallreaktion und den neuesten Sicherheitsmaßnahmen geschult.

Wichtig ist es zu verstehen, dass am Terminal nichts dem Zufall zu überlassen! Alle Systeme werden ausgiebig getestet, bevor sie in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus verfügen alle Systeme über eine eingebaute Redundanz, d. h. wenn eine Maschine ausfällt, steht immer ein Backup zur Verfügung. In verschiedenen spezifischen Handbüchern werden alle Abläufe am Terminal festgehalten und sind für das Personal und alle Tätigkeiten verbindlich. Entsprechende Managementsysteme, die auf den neuesten Erkenntnissen und technologischen Entwicklungen basieren, überprüfen zudem die Sicherheit kontinuierlich. Darüber hinaus überwachen interne und externe Auditprogramme alle notwendigen Verbesserungen.

Was würde eine Gasfreigabe auf dem Terminal bewirken?

Die prinzipielle Konstruktions-, Betriebs- und Wartungsstruktur des Terminals verhindert das Entweichen von Gas. Sollte es dennoch zu einem Gasaustritt kommen, wird dies sofort bemerkt, da im gesamten Terminal mehrere Überwachungssysteme sowie Gasdetektionssysteme und Kameras zur Alarmierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden sind.

Das Terminal ist so konstruiert, dass es durch mehrere Notabschaltventile, die an entsprechenden Stellen positioniert sind, automatisch das lecke System blockieren und die Menge des austretenden Gases minimieren würde. Die Konstruktion des Terminals verfügt auch über ein eingebautes System, das austretendes LNG an einen Ort leitet, an dem es sicher verdampfen kann.

Auf dem Terminal werden keine Maschinen eingesetzt, die die Gasdämpfe entzünden können. LNG ist sehr leicht und wird daher schnell in die Luft verdampfen und keinen Schaden für Mensch und Umwelt anrichten können.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gut ausgebildetes Personal sowie ein terminalspezifisches Sicherheitsdesign das Risiko minimieren und die Folgen verringern, sollte es wirklich einmal zu einem Unfall kommen.

Was tun Sie im Hinblick auf den Umwelt- und Klimaschutz generell?

Wir planen eine Reihe von Maßnahmen, um die Abfallentsorgung zu minimieren, Materialien und Ressourcen wiederzuverwenden und, wo möglich, Energie zu sparen. Die Gasmoleküle, die in den Terminal einströmen, befinden sich alle in einem geschlossenen System, d.h. das gesamte einströmende Gas wird zwischengespeichert, bevor es in Produktabgabesysteme wie Pipelines, Tankwagen oder Schiffe gelangt. Wir werden modernste Technologie einsetzen und uns am Terminal an den besten Verfahren orientieren.

Als Teil des Genehmigungsverfahrens werden wir detaillierte und anlagenspezifische Konzepte entwickeln, um jede mögliche Umweltauswirkung des Terminals auf die lokale Flora und Fauna sowie auf die Umgebung zu Land und zu Wasser zu minimieren.

Und natürlich ist LNG als Kraftstoff für den Schiffs- und Schwerlastverkehr auf der Straße ein emissionsarmer Kraftstoff, der den Ausstoß von Luftschadstoffen erheblich reduziert und zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beiträgt.